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Geheimnisse des Glaubens

Geheimnisse des Glaubens (4): Gott ist ungerecht – und das ist gut so

Gott sitzt zwischen den Stühlen: Will er gerecht sein, könnten wir nicht leben. Deshalb geht Gott nicht den Weg der Gerechtigkeit, sondern den Weg des Friedens.

  • So wie andere an uns jeden Tag schuldig werden, so werden wir an anderen schuldig – immer wieder. Selbst wenn wir keine Verbrecher sind, enttäuschen und verletzen wir tagtäglich andere. Mal leicht, manchmal auch schwer. Jedem von uns widerfährt Unrecht. Aber jeder von uns verübt auch Unrecht.

  • „Du bekommst, was du verdienst“, sagt der Volksmund. Aber würde Gott Schuld mit Strafe bezahlen lassen, wären wir alle verloren. Gott müsste um der Gerechtigkeit willen uns alle zur Rechenschaft ziehen. Was ist die gerechte Konsequenz für eine Lüge? Für eine Verleumdung? Für eine Vergewaltigung? Für einen Mord? Der Preis der Schuld ist der Tod, treibt es der Apostel Paulus auf die Spitze. Wäre Gott gerecht, wie wir Gerechtigkeit verstehen, müssten wir alle sterben.

  • Wenn Gott stattdessen unser reuiges Herz erhört, wenn er uns die Schuld vergibt (im Angesicht dessen, dem wir geschadet haben), dann handelt er im Grunde ungerecht – aber er handelt erlösend! Gott gleicht nicht die Schuld aus, sondern er schließt Frieden. Nur Vergebung kann den Teufelskreis aus Freiheit, Schuld und Gerechtigkeit aufbrechen. Deswegen schreibt Paulus: Die Menschen halten Gottes Gerechtigkeit für unlogisch. Gottes Gerechtigkeit ist nicht juristisch. Sie sorgt nicht für einen Ausgleich der Interesssen, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Sie durchbricht die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt. Sie schafft Frieden.

  • Als Jesus vor zweitausend Jahren ans Kreuz von Golgatha geschlagen wurde, und er sich nicht wehrte gegen die Schläge, die Peitschenhiebe, die Spucke, den Tod als Unschuldiger am Verbrecher-Kreuz, als er nicht Legionen von Engeln herzu rief, seine Feinde zu vernichten; als der Sohn Gottes sich um unserer Schuld willen unter uns Menschen demütigte, da passierte genau dies: Gott schloss Frieden mit uns. Frieden, der nicht durch erneute Schuld infrage gestellt wird. Frieden, der stärker ist als Ungerechtigkeit. Gott verzichtete auf die ihm zustehende Gerechtigkeit. Er brach den Teufelskreis auf. Und besiegt damit das Böse. Jesu Tod ist Gottes Angebot des Friedens an die Menschheit. Eines Friedens, aus dem neue, dauerhafte Gerechtigkeit erwächst.

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