Jesus.de finanziert sich durch Spenden seiner Nutzer und durch Werbung. Danke für das Beachten der Anzeigen unserer Sponsoren! Jesus.de unterstützen!

Theologie „Q“ – Wie aus einem Irrtum ein (anderes) Evangelium wurde

Der Thread ist geschlossen!

Ansicht wird aktualisiert
 
 
02.03.10 21:55
xangor
 
 
03.03.10 07:54
Foxboy
 
 
03.03.10 09:56
xangor
 
 
03.03.10 10:11
Moorwackler
 
 
03.03.10 13:27
xangor
 
 
03.03.10 18:25
Tertullian
 
 
03.03.10 20:11
xangor
 
 
04.03.10 15:55
Tertullian
 
 
04.03.10 16:04
Moorwackler
 
 
04.03.10 18:04
Tertullian
 
 
04.03.10 18:14
Moorwackler
 
 
04.03.10 17:18
xangor
 
 
04.03.10 17:29
Moorwackler
 
 
04.03.10 17:40
xangor
 
 
04.03.10 17:51
Moorwackler
 
 
04.03.10 18:12
xangor
 
 
04.03.10 18:47
Moorwackler
 
 
04.03.10 21:44
xangor
 
 
04.03.10 22:27
Moorwackler
 
 
04.03.10 22:59
xangor
 
 
04.03.10 23:10
Moorwackler
 
 
04.03.10 23:46
xangor
 
 
05.03.10 08:09
Moorwackler
 
 
05.03.10 10:34
Tertullian
 
 
29.04.10 00:22
Liliana
 
 
29.04.10 00:28
n/a
 
 
29.04.10 20:16
Liliana
 
 
29.04.10 23:23
n/a
 
 
01.04.10 11:10
Anti-terror
 
 
01.04.10 12:06
xangor
 
 
03.04.10 08:27
Anti-terror
 
 
03.04.10 08:56
xangor
 
 
30.03.10 02:49
n/a
 
 
30.03.10 02:48
n/a
 
 
30.03.10 02:44
n/a
 
 
30.03.10 02:42
n/a
 
 
03.03.10 13:23
Mhinas
 
 
03.03.10 13:39
xangor
 
 
03.03.10 18:50
Mhinas
 
 
03.03.10 13:22
n/a
 
 
03.03.10 14:28
Evernever
 
 
03.03.10 14:40
Moorwackler
 
 
03.03.10 18:21
Tertullian
 
 
06.03.10 07:35
Anti-terror
 
 
06.03.10 21:17
Reader
 
 
06.03.10 21:31
xangor
 
 
30.03.10 02:55
n/a
 
 
30.03.10 11:30
xangor
 
 
02.04.10 11:44
n/a
 
 
03.04.10 08:50
Anti-terror
 
 
07.03.10 02:26
Liberatus
 
 
07.03.10 09:48
Todward
 
 
07.03.10 11:27
xangor
 
 
08.03.10 11:23
Todward
 
 
08.03.10 11:42
xangor
 
 
11.03.10 20:17
Todward
 
 
11.03.10 20:46
xangor
 
 
24.03.10 07:37
Todward
 
 
24.03.10 09:38
xangor
 
 
29.03.10 23:01
Todward
 
 
30.03.10 01:14
xangor
 
 
30.03.10 20:12
Todward
 
 
30.03.10 20:31
xangor
 
 
08.03.10 12:40
hermanno
 
 
11.03.10 20:20
Todward
 
 
07.03.10 12:57
n/a
 
 
07.03.10 13:18
xangor
 
 
07.03.10 14:32
n/a
 
 
07.03.10 14:50
xangor
 
 
07.03.10 16:31
n/a
 
 
07.03.10 17:57
xangor
 
 
07.03.10 18:36
n/a
 
 
07.03.10 18:58
xangor
 
 
08.03.10 21:20
n/a
 
 
22.03.10 22:40
happykiza
 
 
26.03.10 01:27
Anti-terror
 
 
25.03.10 22:58
Friedelgolliwand
 
 
25.03.10 23:06
xangor
 
 
30.03.10 09:47
Friedelgolliwand
 
 
30.03.10 02:33
n/a
 
 
30.03.10 09:44
Friedelgolliwand
 
 
30.03.10 22:06
happykiza
 
 
30.03.10 22:19
Moorwackler
 
 
31.03.10 00:03
Friedelgolliwand
 
 
31.03.10 01:24
xangor
 
 
31.03.10 06:56
happykiza
 
 
02.04.10 11:48
n/a
 
 
02.04.10 11:46
n/a
 
 
02.04.10 16:01
Tertullian
 
 
25.03.10 23:48
Bollermann
 
 
26.03.10 00:03
Friedelgolliwand
 
 
26.03.10 21:19
Bollermann
 
 
27.03.10 01:43
Moorwackler
 
 
31.03.10 01:58
Bollermann
 
 
31.03.10 02:22
n/a
 
 
31.03.10 02:39
Bollermann
 
 
31.03.10 21:38
garda
 
 
01.04.10 16:19
n/a
 
 
03.04.10 12:15
Bollermann
 
 
03.04.10 12:27
Bollermann
 
 
03.04.10 13:49
Friedelgolliwand
 
 
05.04.10 14:36
Bollermann
 
 
11.04.10 02:02
Friedelgolliwand
 
 
14.04.10 13:48
Bollermann
 
 
14.04.10 23:45
Friedelgolliwand
 
 
14.04.10 23:52
Friedelgolliwand
 
 
15.04.10 18:36
Bollermann
 
 
17.04.10 11:07
Friedelgolliwand
 
 
29.04.10 15:12
Bollermann
 
 
01.05.10 16:05
Friedelgolliwand
 
 
02.05.10 03:46
Bollermann
 
 
03.04.10 14:25
garda
 
 
05.04.10 22:56
n/a
 
 
13.04.10 19:03
n/a
 
 
13.04.10 20:22
n/a
 
 
13.04.10 21:48
n/a
 
 
13.04.10 22:32
n/a
 
 
15.04.10 02:29
n/a
 
 
15.04.10 20:05
n/a
 
 
16.04.10 22:23
n/a
 
 
17.04.10 01:29
xangor
 
 
17.04.10 03:06
n/a
 
 
17.04.10 09:05
xangor
 
 
17.04.10 12:07
n/a
 
 
28.04.10 22:52
boernie
 
 
13.04.10 22:23
xangor
 
 
13.04.10 23:28
n/a
 
 
14.04.10 00:22
xangor
 
 
14.04.10 02:54
n/a
 
 
14.04.10 11:00
xangor
 
 
15.04.10 00:14
Bollermann
 
 
15.04.10 02:32
n/a
 
 
16.04.10 15:52
Bollermann
 
 
18.04.10 17:11
Tertullian
 
 
30.04.10 01:52
Bollermann
 
 
07.05.10 23:01
Tertullian
 
 
10.05.10 00:24
Bollermann
 
 
13.04.10 23:11
Gnade12
 
 
30.03.10 02:30
n/a
 
 
30.03.10 11:32
xangor
 
 
02.04.10 11:49
n/a
 
 
02.04.10 17:36
Xorg
 
 
06.04.10 17:19
n/a
 
 
13.04.10 15:23
xangor
 
 
30.04.10 17:16
Kleine_Dame
 
 
30.04.10 20:04
xangor
 
 
03.05.10 11:45
n/a
 
 
11.05.10 14:16
Jimmy

„Q“ – Wie aus einem Irrtum ein (anderes) Evangelium wurde

Hallo zusammen,


In der Hypothesenbildung der historisch-kritischen Theologie gibt es kaum eine größere Erfolgsgeschichte als die von „Q“.


„Q“ – Wie aus einem Irrtum ein (anderes) Evangelium wurde [0]


„Erfolgsgeschichte“ bedeutet in diesem Fall, dass „Q“ als anerkannter Konsens in der historisch-kritischen Theologie gilt. Wobei im engeren Sinne nur die Existenz und der Umfang von Q diesen Konsens beschreiben.

Im Detail und in der Deutung gibt es – wie könnte es anders sein- auch wieder Unterschiede.


Wie kam es zu „Q“?


Die Existenz von Q beginnt mit einem Irrtum.

Nein, das sage nicht (nur) ich, sondern Q-Forscher Christoph Heil, der Mitarbeiter ist am Internationalen Q Projekt, einem Zusammenschluss von 42 Forschern die „Q“ rekonstruiert haben wollen:


//„ Mit Bezug auf Bischof Papias von Hierapolis (...) wurde diese zweite Quelle zunächst als Sammlung von aramäischen Jesus Aussprüchen. (logia) verstanden. (...) Heute hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Papias mit den logia eine vom ihm angenommene aramäische Urfassung des kanonischen Matthäusevangeliums meinte, nicht eine aramäische Quelle dieses Evangeliums. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde jedoch unter diesen „Matthäus-Logien“ eine Quelle des Matthäus verstanden – ein kreativer Irrtum!“ (Die Spruchquelle Q, WBG, S. 11f.)


Eine missverstandener Papias Aussage, das ist die ganze (!) historische Evidenz für „Q“.


Wir haben sonst nichts. Keinen textkritischen Hinweis. Keinen Papyrus-Schnipsel. Kein auch noch so kleines Fragment.

Auch keinen Hinweis dafür, dass irgendein Evangelist eine solche Vorlage „Q“ verwendet hätte. Lukas spricht in Lk. 1,1-4 von Augenzeugen als Quelle, nicht von einer schriftlichen Quellen wie „Q“.

Diesen Befund müssen wir unbedingt festhalten, denn erst dadurch wird das, was nun kommt, so richtig amüsant.


Was wurde aus „Q“ ?


Wie gesagt, selbst heutige „Q“- Forscher geben zu, dass „Q“ mit einem Irrtum anfing. Und sie geben auch zu, dass wir keinerlei historische Evidenz für Q haben.

Nun wurde dieser Irrtum aber – wie gesehen – erst sehr spät erkannt und zu dem Zeitpunkt war „Q“ schon viel zu wichtig um darauf verzichten zu können.

Statt die Q-Hypothese aufzugeben, was eigentlich zu erwarten gewesen wäre, hat man sie einfach weiter ausgebaut und das obwohl ihr jeglicher historische Boden unter den Füßen weggezogen worden war.

„Q“ ist nämlich unverzichtbarer Bestandteil der historisch-kritischen Lösung des sogen. Synoptischen Problems.

Darunter versteht man in der historisch-kritischen Theologie die Frage wie die synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas wohl entstanden sind.

Dabei ist diese synoptische Frage selbst, zumindest weitgehend, eine Erfindung der historisch- kritischen Theologie:

„Denn solange man die Verfasser der Evangelien für Augenzeugen des Lebens Jesu hielt und die altkirchliche Tradition unkritisch übernahm, waren die Unterschiede in den Evangelien nur für wenige ein Problem.“ (so Udo Schnelle Einleitung in das NT, S. 195)

Das klingt ein wenig nach Brandstiftung um dann löschen zu können, aber egal.

Man hatte die Frage formuliert und nun brauchte man eine Antwort. Und diese Antwort ist für die historisch-kritische Theologie die 2-Quellen-Theorie. [1]

Nach dieser Theorie ist Markus das erste Evangelium (Markuspriorität) und Matthäus und Lukas haben Markus und eben die Spruchquelle „Q“ als literarische Vorlage benutzt.

Das ist die einfache Version. Nimmt man noch Vor- und Sonderformen von „Q“ (Proto Q1, Q1, Proto Q2, Q-Mk, Q-Lk etc.) hinzu wird das ganze noch etwas komplizierter.

Ohne „Q“ geht es jedenfalls nicht. Diese Hypothese konnte man, trotzt aller fehlender historische Evidenz, nicht aufgeben.

Also trat man sozusagen, die Flucht nach vorne an: „Q“ wurde historisch-kritisch rekonstruiert. Und damit meine ich nicht nur den Text an sich, sondern man ging viel weiter.

Mit der Arbeit von H.E. Tödt, Der Menschensohn in der synoptischen Überlieferung "setzte sich die Einsicht durch, dass Q einen eigenen kerygmatischen Entwurf voraussetzt. Die in Q weitergegebene Jesus-Überlieferung, unterscheidet sich charakteristisch von der des antiochenischen-paulinischen Traditionsbereichs und ermöglicht den Zugang zu Geschichte und Theologie der frühen palästinensischen Jesus-Bewegung. Der Quellenwert dieses judenchristlichen Dokumentes erklärt auch das wachsende Interesse an Q in der internationalen Forschung." ( Christoph Heil, Die Spruchquelle S. 14f)


„Q“ ist also durch und nach Tödt befördert worden. Q macht Kariere in der historisch-kritischen Theologie.


Vorher war es nur eine Quelle die Matthäus und Lukas verwendet haben sollen um ihre Evangelien zu schreiben. Nun ist es aber schon ein eigener theologischer Entwurf.

Q hat nun eine eigene Theologie und wo es eine Theologie gibt sind Theologen nie weit weg.

Also konstruiert man auch eine eigenen „Q“-Gemeinde mit Q-Theologen, wo diese Q-Theologie gelehrt und geglaubt worden sein soll.

Heil spricht ganz selbstverständlich von einem „judenchristlichen Dokument“ so als wenn man das wirklich gefunden hätte.

Hat man aber eben nicht. (Bitte nie vergessen!)

Auch für diese angebliche Q-Gemeinde, Q-Theologen und diese Q-Theologie gibt es nicht die leisesten historischen Hinweise.

Angeblich sollen die ja im Widerspruch zu Paulus gestanden haben, aber in den Briefen des NT werden die nicht erwähnt. Das gleiche Bild liefert die Alte Kirche: Keine Spur von „Q“.

Das hindert aber das International Q Projekt keineswegs daran die Griechisch/Deutsche Studienausgabe von Q als “unverzichtbares Instrument für die exegetische Arbeit am Neuen Testament“ anzupreisen (so auf der Rückseite zu lesen).

„Q“ existiert also mittlerweile auch in schriftlicher Form auf Griechisch.

Diesen bisherige unverzeihlichen Mangel der historischen Quellenlage hat die historisch-kritische Theologie also endlich behoben. Wissenschaftliche Theologie hat gefälligst am Griechischentext zu arbeiten und wenn die Kirchengeschichte sich erdreistet uns den vorzuenthalten dann rekonstruieren wir den halt selber. Basta!

Q ist übrigens auch viel zu lukrativ um darauf zu verzichten. Es gibt Theologieprofessoren die legen ihren Forschungsschwerpunkt u.a. auf die „Rekonstruktion und Theologie von Q“. Das ist ganz selbstverständlich und normal an den Universitäten. Nicht nur Q hat Kariere gemacht innerhalb der historisch-kritischen Theologie, auch mit Q lässt sich dort Karriere machen.

„Q“, endlich in Griechisch vorhanden, gilt also mittlerweile als „erschlossene Quelle“ (G. Theißen) und taucht somit z.B. als Informationsquellen für den „historischen Jesus“ ganz selbstverständlich neben den kanonischen Evangelien auf. Mehr noch:

„Logienquelle und historischer Jesus: Q ist zweifellos die wichtigste Quelle zur Rekonstruktion der Lehre Jesu. (Theißen/März, Der historische Jesus, Vandenhoeck S. 45)

Q wurde schon wieder befördert: Nun ist es schon die wichtigste Quelle für Informationen über die Lehre Jesu. An dem Punkt müssen wir mal einen Moment inne halten.

Q hat damit nicht nur kanonischen Rang erhalten, sondern steht de facto über den kanonischen Evangelien. Es ist daher nur konsequent, dass man von „Q“ auch schon als „verlorenes Evangelium“ (Lost Gospel) redet. (Stephen J. Pattersson)

Historisch-kritische Theologen haben zuerst, ohne historisch Evidenz, eine bestimmte Gruppe von synoptischen Versen als „Q“ definiert, um diese Gruppe von Q-Versen dann nach und nach für immer bedeutender zu erklären.

Dazu wurde dann eine „Q-Theologie“ und eine „Q-Gemeinde“ hinzu erfunden, für die es natürlich auch keine historischen Hinweise gibt, um das Gesamtpaket dann zur „zweifellos wichtigste Quelle“ für die Lehre Jesu zu erklären.

Dem normale Christ und Kirchgänger bleibt dieses Wissen natürlich verborgen. Das ist eigentlich unverzeihlich, wenn Q wirklich so wichtig wäre. Warum sollte man sich nur den kanonischen Evangelien beschäftigen, wenn Q doch viel wichtiger ist?

„Q“ ist für historisch-kritisch Theologen damit zu einer Art Heiligen Gral geworden, mit dem man sehr viel begründen kann. „Q demonstriert“, „Q beweist“, „Q zeigt“, „Q zwingt zu dem Schluss“ usw. usf.

Höchst erstaunlich ist auch das hypothetische „Q-Volk“:

///„Das Bemerkenswerte an dem Volk von Q ist, dass sie keine Christen waren Sie haben Jesus nicht für den Messias oder den Christus gehalten. (...) Sie betrachteten seinen Tod nicht als göttliches, tragisches oder rettendes Ereignis. Sie haben sich nicht eingebildet, er sei von den Toten auferweck, um über eine verwandelte Welt zu herrschen. (....) So haben sie sich nicht versammelt um in seinem Namen anzubeten, ihn als Gott zu ehren (...). Sie haben keinen Christuskult geschaffen, wie er in den christlichen Gemeinden auftaucht, die den Lesern der Paulusbriefen vertraut sind. Die Q-Leute waren Jesus-People, keine Christen./// (Burton Mack, Q- The Lost Gospel, S. 4-5)

Der unbedarfte Christ könnte nun meinen, dass es sich bei diesen armen Q-Leuten dann einfach um eine häretische Sekte gehandelt hat. Aber weit gefehlt. Die historisch-kritische Theologie dreht den Spieß um. Stephan J. Patterson schreibt:

//„ Q demonstriert, dass andere Faktoren als der Glaube an die Gottheit Jesu in der Generation der frühen Jesus- und Christusbewegung eine Rolle spielte (....) Als Ergebnis können die erzählenden kanonischen Evangelien nicht länger als vertrauenswürdige Berichte von einzigartigen erstaunlichen Ereignissen am Beginn des christlichen Glaubens angesehen werden. Die Evangelien müssen nunmehr als das Ergebnis einer frühen christlichen Mythenbildung angesehen werden. Q zwingt zu diesem Schluss, denn es dokumentiert eine frühe Geschichte, die nicht mit den erzählenden Evangelienberichten übereinstimmt./// (Stephan Patterson, Biblical Review, Vol. IX, 5 1993 S. 40)

Q soll ab jetzt der Maßstab sein an dem die kanonischen Evangelien sich messen lasen müssen. Das ist enorm praktisch, weil man damit so anstößige christliche Lehren wie die Gottheit Jesu, die leibliche Auferstehung und den Sühnetod streichen kann. All das steht nicht in Q.

Man hat ja jetzt, neben der schriftlichen Quelle Q, auch noch die Q-Leute als Kronzeugen. Das es sich dabei bloß im erfundene Größen handelt, nebensächlich.

Allerdings befinden wir uns in der historisch-kritischen Theologie und da bleibt keine Hypothese lange ganz alleine und unwidersprochen.

Nicht alle historisch-kritischen Theologen sind einverstanden mit der völlig unkritischen Überlegenheit und Deutung der Q-Theologie. Theißen/Merz relativieren daher:

„Doch auch hier (gemeint ist Q) begegnen die authentischen Überlieferungen von Jesus in, mit und unter den Worten ihm nachfolgender Generationen. Auch in den Q-Überlieferungen lassen sich deshalb ganz verschiedene Jesusbilder rekonstruieren.“// (Der historische Jesus, S. 45)

Wäre ja auch zu einfach wenn man mit Q jetzt die historisch glaubwürdigen Jesus-Überlieferungen herausdestilliert hätte.

Nein, die Hypothesenbildung muss weiter gehen. Es gilt Lehrstühle zu besetzen, Bücher zu schreiben und Q-Projekte weiter zu führen.

Und dann erfindet man halt im hypothetischen Q-Text, der hypothetischen Q-Leute verschiedene hypothetische Jesus-Bilder.

Es lebe die Hypothese!

Was ist Q aber nun wirklich?

Damit wären wir wieder am Anfang dieses Textes und der Geschichte von Q:

Q ist ein Irrtum

Das ist und bleibt die nüchterne Bilanz, wenn man die historischen Quellen nicht durch die Brille der historisch-kritischen Hypothesenbildung betrachtet.

Was die historisch-kritische Theologie aber aus diesem historischen Quellen-Nichts zu Q gemacht hat, dass ist die eigentliche Geschichte.

Dieser Q-Mythos lässt sich wohl am besten als Kryptotheologie bezeichnen.

Ich verwende diesem Begriff in Analogie zu Kryptozoologie:

/// Mit dem Begriff Kryptozoologie (griech. „Lehre von den versteckten Tieren“) bezeichnet man die Untersuchung und Klassifizierung von zoologisch nicht bekannten Tierarten allein aufgrund von Indizien, Mythen und Zeugenberichten. (...) Als Quellen dienen den Kryptozoologen anekdotische Belege, Augenzeugenberichte, Mythen und Legenden, ferner Fotos und Filmaufnahmen von oft schlechter technischer Qualität, zudem werden vermeintliche Fußabdrücke und andere mehrdeutige Spuren vorgelegt. Die Kryptozoologie ist jedoch bislang jeglichen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz all der behaupteten Lebewesen schuldig geblieben, die Heuvelmans in einer Checkliste bereits in den 1990er Jahren klassifiziert hat.
Anders als in der wissenschaftlichen Zoologie bei der Beschreibung einer neu entdeckten Art üblich, wurde nie ein lebendes oder totes Exemplar eines Kryptiden beigebracht. Einwandfrei identifizierte Knochen und andere Relikte fehlen ebenfalls. Die Kryptozoologie hat daher bislang keinen Beitrag zum Erkenntnisfortschritt in der Zoologie geleistet.//// [2]

Nehmen wir also mal an Q wäre eine solche Tierart, dann haben, in den Kategorien der Kryptozoologie gesprochen, Theologen Q nicht nur entdeckt, sondern exakt erforscht und beschrieben.

Q als Tierart ist demnach besser bekannt als viele bekannte Tiere („kanonische Evangelien“), man kennt die Evolution von Q ganz gut (Proto Q1, Q1, Proto Q2 und Q 2 usw.), man kennt seinen Lebensraum (judenchristliche Kreise) und seine Haupt-Nahrung (Worte Jesu), man hat ihm einen schönen Zoo gebaut (Griechischer Text!) und weiß sogar viel über die Menschen die Q als Haustier haben. (Q-Volk).


Ja, Q ist ein wahrhaft faszinierendes Tier, mit einem kleinen Schönheitsfehler: Das Tier gibt es nicht

Kommen wir also an dieser Stelle zu einem analogen Fazit:

„Die kryptotheologische Q-Froschung hat daher bislang keinen Beitrag zum Erkenntnisfortschritt in der Theologie geleistet“

Hätte man doch nur auf Hieronymus gehört:

„Errare humanum est, in errore perseverare stultum. [3]


Mfg
Marc

Fußnoten


[0] Manche Quellen hab ich zitiert nach Eta Linnemann, „Q – das verlorene Evangelium“ (JETh 1995).


[1] Es gibt aber z.B. auch die Traditionshypothese als Alternative zur Zweiquellentheorie


[2] Quelle: Kryptozoologie


[3] Deutsch: „Irren ist menschlich, im Irrtum beharren dumm.“

Zu nächstem neuen Beitrag springen
© 2019 SCM Bundes-Verlag gGmbH - Impressum - Allgemeine Nutzungsbedingungen - Datenschutz