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Irrwisch
 
 
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Turmfalke1

Die Augenzeugen Jesu

Hallo zusammen,

In meinem Thread zum historisch-kritischen Umgang mit Pfingsten/Ostern wurde folgendes zur historisch-kritischen Bibelforschung geschrieben:



Wenn man als Ergebnis solcher Forschung zur Kenntnis nehmen muss, dass z. B. keiner der Evangelisten den historischen Jesus persönlich kennengelernt hat und keiner davon Zeuge der Auferstehung war, ebensowenig Paulus, dann ändert das etwas.


*Etwas ändern* würde sich zweifellos dadurch.

Aber *muss* man das wirklich nur *zur Kenntnis nehmen* als methodisch-wissenschaftlich nachvollziehbares Ergebnis theologisch-historisch objektiver Forschung?

Oder handelt es sich nicht eher um Meinungen die auf der Grundlage einer bestimmten Weltanschauung entstanden sind?

Diesen und anderen Fragen rund um die Augenzeugen Jesu ist dieser Thread gewidmet, von dem ich hoffe, dass er zu einer sachlichen und fruchtbaren die Diskussion on Topic führt.

Gliederung

Die Augenzeugen Jesu

1. Bibelstellen: Augenzeugen und Inspiration

a. Augenzeugen
b. Inspiration

2. Die Evangelien als Biographien

a. Genre
b. Die Gedächtnisleitung der Jünger Jesu

3. Jakobus und Paulus

a. Jakobus
b. Paulus

4. Verschwinden und Rückkehr der Augenzeugen

Fazit


1. Bibelstellen: Augenzeugen und Inspiration



a. Augenzeugen

Die direkten und indirekten Aussagen darüber, dass die neutestamentlichen Schriften von Augenzeugen verfasst wurden oder auf Augenzeugen-Berichten beruhen sind zahlreich. Unvollständige Beispiele:

Lukas

Lukas 1:1Nachdem bekanntlich viele es unternommen haben, eine Erzählung über die unter uns zum Abschluss gekommen Ereignisse wiederzugeben, 2 wie uns das überliefert haben, diejenigen welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind. 3 So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erforscht habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in zeitlich richtiger Reihenfolge aufzuschreiben, 4 damit du das sichere Fundament der Lehre erfahrest, in der du unterrichtet bist.



Kommentar:

Lukas ist nicht der erste der ein Interesse an einem zuverlässigen historischen Bericht über das Leben Jesu hat. Schon viele andere haben solche Berichte verfasst und Lukas kennt diese Sekundärquellen.
Leider kennen wir diese Berichte heute nicht mehr ( kanonische Evangelien waren es nicht) , aber sie zeigen ein frühzeitiges Interesse am Leben, Wirken und der Lehre Jesu.

Lukas verwendet diese Sekundärquellen aber nicht für seine evangelische Geschichtsschreibung (er kennt sie nur), sondern er befragt Augenzeugen und Diener des Wortes (vermutlich insbesondere die 12 Apostel), also Primärquellen die von Anfang an Jesus begleitet haben.

Dabei handelt es sich um unter uns zum Abschluss gekommen Ereignisse, also um Geschichte, nicht um theologisch-philosophische Gerüchte vom Hören-Sagen.

Lukas hat als antiker Historiker sein Doppelwerk akribisch-sorgfältig recherchiert.

Auch in der Apostelgeschichte des Lukas wird die Bedeutung der Augenzeugen an vielen Stellen deutlich:

Lukas

Acts 1:8 Ihr werdet aber Kraft empfangen, wenn der heilige Geist über euch kommt, und ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem, in ganz Judäa, in Samaria und bis an die Enden der Erde.

Acts 1:21 Es muss also einer von den Männern, die uns begleitet haben die ganze Zeit, da Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, 22 vom Tag der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, da er von uns weg in den Himmel aufgenommen wurde, mit uns Zeugnis von seiner Auferstehung ablegen - einer von diesen hier.

Acts 2:29 Ihr Männer und Brüder, lasst mich frei heraus vom Erzvater David zu euch reden. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis zum heutigen Tag. 30 Weil er aber ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott mit einem Eid verheißen hatte, dass er aus seinen Nachkommen nach dem Fleisch den Christus erwecken werde, um auf seinem Thron zu sitzen, 31 hat er voraussehend von der Auferstehung Christi geredet, dass seine Seele nicht dem Tod überlassen blieb und sein Leib die Verwesung nicht gesehen hat. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; davon sind wir alle Zeugen.

Acts 4:33 Und mit grosser Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus, und grosse Gnade ruhte auf ihnen allen.



Kommentar:

Zeuge sein, Zeugnis geben ist geradezu ein Schlüsselwort für die Apostelgeschichte und Apg. 1,8 daher auch traditionell ihr Schlüssel-Vers.

Verwurzelt ist dies im juristischen Zeugenrecht des Alten Testamentes, bedeutet darüber hinaus aber im Rahmen des Neuen Bundes auch Augenzeugen Jesu und besonders des leiblich Auferstandenen zu sein. (vgl. auch Apg. 13,32ff.)

Auch die "Wir-Stellen" in der Apostelgeschichte lassen sich sehr gut als autobiographische Angaben des Paulus-Begleiters und Arztes Lukas deuten, dem in der Alten Kirche früh und einhellig das Doppelwerk (Lk.-Ev. & Apg.) zugeschrieben wurde.

Aber es ist nicht nur Lukas dem die Aufgenzeugen Jesu wichtig sind. Der Apostel Johannes schreibt in der Einleitung seines ersten Briefes:

Johannes

1 John 1:1 Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens 2 - und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist -, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.



Kommentar:

Hier stapeln sich gewissermaßen die Aussagen über die Augenzeugenschaft des Johannes:
2x gehört, 2x gesehen, angeschaut, betastet.

Und bei Petrus ist das nicht anders in seinem zweiten Brief:

Petrus

2 Peter 1:16 Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. 17 Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. 18 Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.



Kommentar:

Die Apostel sind nicht „klug ausgedachten Geschichten“ (gr. Mythoi = Mythen) gefolgt, sondern waren Augenzeugen auch auf dem Berg der Verklärung. (vgl. Lk. 9, 28ff.)

Diese (unvollständigen) Beispiele haben schon gezeigt, dass die Infragestellung oder Leugnung der Augenzeugen Jesu als wichtigste Quellen des Neuen Testamentes nur in Form massiver Sachkritik an den Selbstaussagen des NT möglich ist.

Damit ist die Axt die Grundlagen des christlichen Glaubens gelegt, denn Johannes, der ja in seinem Brief die Augenzeugenschaft so betont hat, beschreibt auch den Sinn seines Evangeliums:

Johannes

John 20:29 Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben! 30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.



Heutige Christen sind nicht mehr Augenzeugen wie Thomas, Petrus und Johannes, aber wir glauben, weil zuverlässige Berichte über Jesus direkt oder indirekt von Augenzeugen im NT überliefert wurden.

Zu Verfasserschaft der Briefe/Evangeliums durch Johannes und Petrus siehe:

Cason/Moo, Einleitung in das NT (TVG)
Robert W. Yarbrough, 1-3 John (BECNT)
Gene L. Green, Jude & 2 Peter, (BECNT)
A.D. Baum, Einleitung in das NT. Evangelien und Apg. (TVG)
Craig L. Blomberg, The Historical Reliability of John's Gospel (IVP)

b. Inspiration

Nur kurz möchte ich auf dieses Thema eingehen und damit die rein historische Argumentation für einen Moment verlassen.
Als theologischen(!) Beitrag (z.B. zur Synoptischen-Frage) halte ich das aber mindestens für ebenso berechtigt/legitim wie erfundenen, rein hypothetische „Quellen“ wie Q, Proto Q1, Q1, Proto Q2, Q-Mk, Q-Lk etc.

Jesus

Matthew 24:35 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.



Um unseren die Bedeutung unseres dieses Verses richtig zu verstehen müssen wir kurz zurückblicken auf zwei Verse Jesu aus dem Johannesevangelium:

Jesus

John 14:25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.



Hier erklärt Jesus in Form einer Verheißung wie er sichergestellt hat, dass seine Worte nicht vergehen werden.

Das Pfingstfest spielt eine entscheidende Rolle. Der Heilige Geist hat die Evangelisten/Augenzeugen/Apostel an alles erinnert was Jesus gesagt und gelehrt hat.

Das hat den menschlichen Aufwand den beispielsweise Lukas als Historiker betrieben hat nicht unnötig gemacht. Aber es hat Irrtümer ausgeschlossen und menschliche Grenzen des Wissens durchlässig gemacht.

Schon bei der Entstehung des Alten Testamentes war das so. Denn das bekannte Paulus Wort über die vom Geist ausgehauchte Schrift aus 2. Tim 3 bezieht sich ja zunächst auf das Alte Testament.

Und auch Petrus schreibt in 2. Petrus 1Vers 21:

Petrus

2 Peter 1:21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.



Und derselbe Heilige Geist, der schon durch die Propheten und andere Männer Gottes die Schriften des alten Bundes ausgehaucht hatte, sorgt nun auch dafür, dass Jesus Worte wahrheitsgetreu übermittelt werden

Und die Form die der Heilige Geist gewählt hat waren vier voneinander unabhängige Zeugen, die vier sich ergänzende Evangelien geschrieben haben.

Jesu Worte haben Ewigkeits-Bedeutung und der Heilige Geist hat dafür gesorgt, dass sie auch über die Lebenszeit der Augen und Ohrenzeugen hinaus bewahrt wurden.

In der Kirchengeschichte hat das von Anfang an eine wichtige Rolle für die Christen gespielt.

2. Die Evangelien als Biographien



a. Genre

Wenn man einen Text liest ist die Frage des Genre sehr wichtig. Wird ein Text mit „Es war einmal…“ eingeleitet und endet mit „…und wenn sie nicht gestorben sind“ dann haben wir es natürlich mit einem Märchen zu tun.

Durch das Genre wissen wir auch wie viel darüber wie ein Text verstanden werden will. In der neutestamentlichen Bibelwissenschaft gibt es da seit einiger Zeit eine neue Entwicklung:

Die Evangelien gelten nicht mehr als Werke eigener Art (sui generis), sondern als antike Biographien. Gemäß S. Gustavsson ist das mittlerweile sogar ein wissenschaftlicher Konsens. (Wenn auch nicht in jedem Detail Kein Grund zur Skepsis S. 106.)

Die Zeiten jedenfalls in denen den Evangelien (und der Apostelgeschichte) als reine Glaubensdokumenten die historische Zuverlässigkeit abgesprochen wurde ist (insbesondere international) weitgehend vorbei.

Bei den Evangelien gehört beides untrennbar zusammen: Historische Fakten sind das Fundament für den Glauben.

A. D. Baum hat die Evangelien mit griechisch-römischen und alttestamentlich-jüdischen Biographien verglichen. Sein Fazit:

Baum

Die neutestamentlichen Evangelien sind Biographien Jesu im alttestamentlich-rabbinischen Stil mit leichten griechisch-römischen Einschlägen

Es war und ist offensichtlich, dass die neutestamentlichen Erzähler inhaltlich an die alttestamentlichen Geschichtsbücher anknüpfen wollten: Im Wirken Jesu setzt sich Gottes bisherige Geschichte mit seinem Volk Israel (und den anderen Völkern) fort, die mit Abraham begonnen hat und über Mose und David bis weit in die nachexilische Zeit reicht. Diese Überzeugung haben die Evangelisten durch die Form ihrer Jesusbiographien zum Ausdruck gebracht: Sie berichten im alttestamentlich-rabbinischen Stil von der neutestamentlichen Fortsetzung der alttestamentlichen Geschichte. „Form follows function“. Die Gattungsmerkmale der Evangelien passten zu ihrem Zweck.

A.D. Baum, „Einleitung in das Neue Testament“ (TVG Brunnen) S. 145


Dieser Forschungszweig neutestamentlicher Wissenschaft ist hochaktuell und sehr dynamisch. Sehr gespannt bin ich schon auf das nächste Buch von Craig S. Keener:

Eerdmans

Craig S. Keener, “Christobiography. Memory, History, and the Reliability of the Gospels” (Wm. B. Eerdmans Publishing)

(Keener) zeigt die Zuverlässigkeit der kanonischen Evangelien durch die Erforschung des Genres der antiken Biographie.

Die kanonischen Evangelien sind antike Biographien, Erzählungen über das Leben Jesu. Die Autoren dieser Evangelien waren bewusst im Umgang mit historischen Informationen und Quellen.

Aufbauend auf den jüngsten Arbeiten zum Studium antiker Biographien argumentiert Craig Keener, dass die Autoren der kanonischen Evangelien den literarischen Praktiken anderer Biographen zu ihrer Zeit gefolgt sind. In der Christobiographie erforscht er den Charakter der antiken Biographie und fordert Studenten und Wissenschaftler auf, die Methode und den Grad der Genauigkeit der Autoren der Evangelien bei der Erzählung des Dienstes Jesu zu schätzen.

Keener's Christobiographie hat weitreichende Auswirkungen auf das Studium der kanonischen Evangelien und die historische Jesusforschung.

Verlags-Link
(Übersetz mit DeepL)



b. Die Gedächtnisleitung der Jünger Jesu

Sind die Beobachtungen, dass die Evangelien zu einem sehr großen Teil auf (direkten oder indirekten) Augenzeugenberichten beruhen, richtig, stellt sich die Frage, ob es möglich war, dass die Jünger/Apostel/Augenzeugen Jesu sich wirklich daran erinnern konnten?

Die Datierungen der Evangelien bieten keinerlei Grund zur Skepsis.
Einiges spricht dafür, dass die synoptischen Evangelien Mitte der 50iger Jahre unabhängig voneinander (im Sinne einer Traditionshypothese)
entstanden sind und in den 60er Jahren des 1. Jahrhunderts herausgegeben wurden.

Aber selbst wenn man später datiert (auf um 70 n.Chr.) ist das immer noch eine Zeit in der Augenzeugen Jesu gelebt haben.

In dieser Zeit wechselte die Generation der Augenzeugen Jesu zu jenen Christen die Jesus nicht mehr erlebt/gehört/gesehen hatten (30-35 Jahre nach Kreuzigung und Auferstehung) und daher bestand die Notwendigkeit bisher mündliche Berichte schriftlich festzuhalten.
Eine Kirche, die bald noch lebende Augenzeugen Jesu auskommen musste, brauchte deren authentischen Berichte eben in schriftlicher Form.

Und die Gedächtnisleitung der Jünger/Apostel/Augenzeugen Jesu war dazu durchaus in der Lage:

Baum

Man wird den (direkten oder indirekten) Schülern Jesu (einschließlich der Evangelisten) nicht zutrauen dürfen das ganze Alte Testament (mit seinen nahezu 270.000 Wörtern) auswendig beherrscht zu haben. Dafür gibt es keine ausreichende Evidenz. Erst recht werden sie sich, als theologisch ungebildete Leute (vgl. Act 4,13), nicht den exakten Wortlaut umfangreicher rabbinischer Überlieferungen (mit einem Umfang von 1.000.000 oder mehr Wörter) eingeprägt haben. Mit zeitgenössischen Rabbinenschülern hatte sie wenig gemeinsam. Als Angehörige der frühjüdischen Kultur werden Jesu Schüler (und deren Schüler) jedoch höchst wahrscheinlich zentrale Teile ihrer heiligen Schriften auswendig gekannt haben.

Der Redestoff der synoptischen Evangelien umfasst rund 15.000 Wörter. (…) Den neutestamentlichen Angaben zufolge hat Jesus seinen Schülerkreis zwei bis drei Jahre geschult. In diesen Jahren bestand ausreichend Zeit, um ihnen den gesamten Redestoff der synoptischen Evangelien einzuprägen.

Die mt-lk Doppeltration umfasst nur rund 4000 Wörter, die synoptische Tripletradition 8000 Wörter und das Markusevangelium 11.000 Wörter. Die gesamte synoptische Tradition ist (ohne Parallelstoff) nur rund 30.000 Wörter lang.

(….) Diese Stoffmenge war für das Gedächtnis eines durchschnittlichen Juden um die Mitte des 1. Jahrhunderts gut zu bewältigen. Angesichts der enormen Stoffmassen, die in den antiken Gedächtniskulturen auswendig gelernt wurden, ist die Annahme, die synoptische Tradition sei für eine mündliche Überlieferung zu umfangreich gewesen, unbegründet.

A. D. Baum, „Einleitung in das Neue Testament. Evangelien und Apostelgeschichte“ (TVG Brunnen). S. 585



Damit konnten die – bis dahin weitgehend mündlichen – Augenzeugen-Berichte über Jesu authentisch schriftlich fixiert werden.
Dabei handelte es sich nicht um ein jahrzehnte-langes Stille-Post-Spiel (wie einer meiner Religionslehre mal behauptet hat) sondern um Jesus-Information aus erster Hand von noch lebenden Personen. (vgl. u.a. Lk. 1,1-4 ; 1. Kor. 15).
Es war also auch überprüfbar ob sich jemand bloß Jesus-Geschichten ausgedacht hat.

Matthäus und Johannes waren selber Augenzeugen. Lukas hat Augenzeugen befragt (Lk. 1,1-4) und Markus erhielt seine Informationen von Petrus, dessen Dolmetscher er war.

3. Jakobus und Paulus



a. Jakobus der Halbbruder Jesu

Das Maria und Joseph nach Jesus noch weitere Kinder (Halb-Geschwister Jesu) hatte, ist nach dem neutestamentlichen Zeugnis eindeutig. Die römisch-katholische Kirche leugnet dies lediglich aus (für mich nicht nachvollziehbaren) dogmatisch-theologischen Gründen. (Es ist auch nicht meine Absicht dies in diesem Thread zu diskutieren!)

Leider fristet der Jakobus-Brief auch noch aus mindestens zwei anderen Gründen ein Schattendasein im Kanon:

Der eine Grund ist Luthers unbegründete und völlig falsche Titulierung als „stroherne Epistel“. Eine genau historisch-theologische Exegese zeigt nämlich, dass Paulus und Jakobus sich keineswegs widersprechen. (vgl. G. Maier, Jakobus, HTA)

Der andere Grund ist, dass diverse historisch-kritische Theologen den Brief Jakobus absprechen und spät datieren.

Dass dies weitgehend unbegründet und nicht überzeugend ist hat in jüngster Zeit (2017) Roland Deines in seinem Buch „Jakobus. Im Schatten des Größeren“ (Biblische Gestalten. EVA Leipzig) hervorragend dargelegt. (Sehr lesenswert!)

Weder war Jakobus zu ungebildet um den Brief schreiben zu können, noch entsprechen fiktive Jakobus-Rekonstruktionen als judaisierender Gesetzlehrer dem Neuen Testament und dem Zeugnis der Kirchengeschichte.

Mit Jakobus sind wir viel mehr sehr dran an Jesus und seiner Familie und sein Brief ist eine der ältesten NT-Schriften. (zwischen 45 und 50 n.Chr.).

Interessant ist auch, dass einige neuere Kommentare wieder von Jakobus dem Halbbruder Jesus als Autor des NT-Briefes ausgehen.

Gerhard Maier, Jakobus (HTA) 2009
Dan G. McCartney, James (BECNT) 2009
Douglas Moo, The Letter of James (Pillar New Testament Commentary) 2000

Darunter auch der Kommentar von L.T. Johnson, „The Letter of James“ in der historisch-kritischen Reihe „Anchor Yale Bible Commentaries.“ (2005)

Es ist wirklich wichtig und wertvoll, dass mit Jakobus und seinem Brief ein bedeutender Augenzeugen (und Verwandter) Jesu wieder mehr ins Blickfeld gerät. Insbesondere R. Deines hat dazu einen wichtigen (und sehr lesenswerten) Beitrag geleistet.

b. Paulus

Ob Paulus Jesus je vor dessen Tod und Auferstehung begegnet ist wissen wir nicht. Denkbar wäre es, aber in Blickfeld gerät Paulus bzw. Saulus erst in der Apostelgeschichte als Feind und Verfolger der Christen.
Ein Zeuge des Auferstandenen Jesus ist er dann aber durchaus als der ihn vor Damaskus zum Apostel beruft. (vgl. Apg. 9)

In 1. Kor. 15 zählt Paulus die (damals noch lebenden) Augenzeugen des Auferstandenen auf. Sich selbst nennt er zuletzt:

Paulus

1 Corinthians 15:1 Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 2 durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe - es sei denn, daß ihr vergeblich geglaubt hättet. 3 Denn ich habe euch zu allererst das überliefert, was ich auch empfangen habe, nämlich daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, 4 und daß er begraben worden ist und daß er auferstanden ist am dritten Tag, nach den Schriften, 5 und daß er dem Kephas erschienen ist, danach den Zwölfen. 6 Danach ist er mehr als 500 Brüdern auf einmal erschienen, von denen die meisten noch leben, etliche aber auch entschlafen sind. 7 Danach erschien er dem Jakobus, hierauf sämtlichen Aposteln. 8 Zuletzt aber von allen erschien er auch mir, der ich gleichsam eine unzeitige Geburt bin.



Mit seinem (zeitweisen) Begleiter Lukas hatte Paulus auch einen der renommiertesten, antiken Experten für Jesus vor Ostern an seiner Seite.
Aber auch die Nähe zu den anderen Aposteln, den Augenzeugen und Dienern des Wortes, hat er (wenn auch etwas später) gesucht:

Paulus

Galatians 1:18 Dann erst, drei Jahre später, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kefas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm; 19 einen andern aber aus dem Kreis der Apostel habe ich nicht gesehen ausser Jakobus, den Bruder des Herrn. 20 Was ich euch hier schreibe - Gott weiss, dass ich nicht lüge! 21 Danach ging ich in die Gebiete von Syrien und Kilikien. 22 Ich war aber den christlichen Gemeinden in Judäa persönlich nicht bekannt. 23 Sie hatten nur gehört: Der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst ausrotten wollte. 24 Und sie priesen Gott um meinetwillen.



Paulus war also keineswegs „der Erfinder des Christentums“ wie einige meinen, sondern auch ein spezieller (Augen-)Zeuge (des auferstandenen) Jesus.
Von denen, die vor ihm Apostel waren, hat er auch viel über die Lehren und Leben Jesu erfahren.

David Wenham und Detlef Häuser bringen es auf den Punkt:

Wenham

Paulus wäre entsetzt gewesen, wenn ihn jemand als den Begründer des Christentums bezeichnet hätte. Für ihn war Jesus die Quelle der Theologie: zuerste der Jesus, dem er auf der Straße nach Damaskus begegnet war, dann der Jesus der christlichen Tradition. Natürlich setzt er die beiden gleich. Sich selbst betrachtet er als „Knecht Jesu Christi“, nicht als Begründer des Christentums – und auch bei diesem Punkt hatte er Recht.

David Wenham, „Paulus- Jünger Jesu oder Begründer des Christentums?“ (Schöningh) S. 369



zum Beitrag

Aufgrund der weitgehenden inhaltlichen Übereinstimmung zwischen Jesus, der urchristlichen Tradition und Paulus steht zugleich fest, dass am Anfang der Christologie das eine Evangelium von Christus stand und nicht eine unüberschaubare Vielfalt von sich widersprechenden Formeln und Bekenntnissen noch eine Tiefe, unüberbrückbare Kluft zwischen verschiedenen, von Aposteln geführten Gruppierungen.

Das ist auch der Tenor von 1Kor. 15,11 wo die gemeinsame Traditionsbasis betont wird. Selbst zwischen Paulus und den Judenchristen war die Christusverkündigung kein Konfliktthema.

Die These das zwischen Paulus und Jesus eine Traditionsgeschichtliche Kontinuität und Sachübereinstimmung besteht, kann sich außer auf die (ethische) Paränese, wo die Nähe von Paulus zu Jesus deutlicher sichtbar ist, auf einen zweiten Pfeiler stützen: die Christologie.

(...)

Die Paulus vorgegebenen Traditionen, die ihm sowohl in Form urchristlicher Bekenntnisse als auch Jesusüberlieferungen vorlagen (...) haben der Christologie des Apostels entscheidende Impulse gegeben. Zentrale Aspekte der paulinischen Christologie sind in diesen Traditionen verankert und von ihnen geprägt.

Damit wird die von D. Wenham und P. Stuhlmacher vertretene Position gestützt, dass zwischen Paulus und Jesus eine Traditionskontinuität besteht und eine weitreichende Sachkongruenz zu konstatieren ist.

Detlef Häusser, „Christusbekenntnis und Jesusüberlieferung bei Paulus“ (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament) S. 363



4. Verschwinden und Rückkehr der Augenzeugen



Wie konnte es nun dazu kommen, dass, trotzt der überragenden historischen Evidenz für die Augenzeugen Jesu im NT und der Kirchengeschichte, die Augenzeugen in der historisch-kritischen Theologie lange weitgehend verschwunden waren?

Der Hauptgrund dafür waren dogmatisch-weltanschauliche Gründe! Durch die Aufklärung wurde in der Theologie ein kausalmechanisches Weltbild samt methodischer Atheismus und aufgeklärter Dogmatik etabliert:

Reiser

(1) Dass Jesus ein besonderer Mensch, aber nicht Gott war;

(2) Dass man seine Religion von der christlichen nicht nur unterscheiden, sondern trennen müsse und

(3) Dass Wunder einfach unmöglich sind


Marius Reiser, „Der unbequeme Jesus“ S. 10.



Mit diesen dogmatischen Voraussetzungen konnte man natürlich mit den biblischen Wundern wenig anfangen. Man glaubte einfach nicht mehr, dass Augenzeugen davon berichtet hatten, weil man nicht mehr an Wunder und die Gottheit Jesu glaubte:

Reiser

Unsere Quellenlage für Jesus ist (…) verglichen mit der für andere historische Persönlichkeiten ausgezeichnet . Die Behauptung moderner Exegeten schließlich, dass die historische Forschung nichts anderes zulasse als einen rein menschlichen Jesus, über den nur wenig sicher verbürgt sei, beweist nur das merkwürdige Bild von historischer Forschung, das unter ihnen herrscht.

Zuerst leugnet man, gegen alle historischen Befunde , dass Jesus Wunder getan habe ; dann behauptet man , es gäbe keine historischen Indizien für irgendetwas Übermenschliches an ihm. Das ist ein klassischer Zirkelschluss.

„Jesus“ S. 12



So verschwanden die Augenzeugen Jesu aus der theologischen Betrachtung. Nicht durch seriöse historisch Untersuchungen der antiken Quellen, die dadurch als nicht glaubwürdig betrachtet wurden, sondern auf der Grundlage einer (atheistischen) Weltanschauung die dieser Quellen für nicht mehr glaubwürdig erklärte.

Historisch ist das absurd, wie R. Riesner mit einem Vincent Taylor Zitat verdeutlicht:

Riesner

Die „Frage nach den Augenzeugen trifft die Formgeschichte an einer sehr verwundbaren Seite. Wenn es nach ihren Vertretern ginge, dann müßten die Jünger unmittelbar nach der Auferstehung Jesu in den Himmel aufgefahren sein“.

So schrieb 1933 mit in der deutschen Exegese unüblichem Humor der englische Neutestamentler Vincent Taylor. Dieser zu seiner Zeit sehr bekannte methodistische Exeget war ein Vertreter differenzierter Kritik an der klassischen Formgeschichte, wie sie Rudolf Bultmann und Martin Dibelius begründet hatten. Taylor ging mit den beiden deutschen Forschern davon aus, dass die synoptische Tradition für einen längeren Zeitraum in kleinen selbstständigen Einheiten wie Gleichnissen, gerahmten Jesus-Worten, Wundererzählungen usw. mündlich weitergegeben wurde. Taylor bestritt aber, dass bei der ersten Formung und Weitergabe der Überlieferung Augen- und Ohrenzeugen keine wesentliche Rolle gespielt hätten:

„Nach Bultmann lebte die Urgemeinde in vacuo, von ihren Gründern abgeschnitten durch die Mauern einer unerklärlichen Unwissenheit. Wie Robinson Crusoe muß sie das Beste daraus machen. Nicht in der Lage, sich an irgend jemanden mit der Bitte um Information wenden zu können, muß sie Situationen für die Worte Jesu erfinden und ihm Aussprüche in den Mund legen, die eine persönliche Erinnerung nicht mehr überprüfen kann. All dies ist absurd; aber es gibt Gründe für diese mangelnde Bereitschaft, mit der Existenz von Führern und Augenzeugen zu rechnen“.

Die Rückkehr der Augenzeugen



Die Gründe hatten wir schon genannt: Der methodische Atheismus.

Jetzt versteht man auch was der historisch-kritische Theologe Udo Schnelle meint, wenn er schreibt:

„Denn solange man die Verfasser der Evangelien für Augenzeugen des Lebens Jesu hielt und die altkirchliche Tradition unkritisch übernahm, waren die Unterschiede in den Evangelien nur für wenige ein Problem.“ ( Udo Schnelle Einleitung in das NT, S. 195)

Kritisch= kausalmechanisches Weltbild/methodischer Atheismus/aufgeklärte Dogmatik/pauschal und weltanschaulich bedingte Abwertung der altkirchlichen Tradition/Quellen.

Unkritisch= Echte Wunder sind möglich und geschehen. Die Evangelien zuverlässige historisch Quellen basierend auf Augenzeugen. Die altkirchliche Tradition ist weitgehend vertrauenswürdig.

Unkritisch bedeutet damit eigentlich christliche Theologie auf solider historisch-theologischer Grundlage. So gesehen bin ich gerne unkritisch!

M. Reiser fasst es gut zusammen:

Reiser

So enden wir, wo wir begonnen haben: bei der Weltanschauung. Jörn Rüsen, der sich wie wenige mit den Fragen der historischen Hermeneutik befaßt hat, stellt fest:

(Zitat) Letzte Prüfungsinstanz für die informative oder faktische Plausibilität einer Quellenaussage ist die dem Historiker aus seiner Lebenswelt zugewachsene Wirklichkeitsauffassung.“

Das zeigt sich nirgends deutlicher als in der Forschungsgeschichte zum historischen Jesus. Reimarus und Strauss waren ebenso wie Bultmann überzeugt, die christliche Wirklichkeitsauffassung sei angesichts der modernen Wissenschaft und des von ihr geschaffenen modernen Weltbildes unmöglich geworden. (…)

Nirgend wird die Rolle der Weltanschauung in der Rekonstruktion des Historikers deutlicher als vor der Wunderfrage. Nichts hindert gebildete Menschen so sehr am Glauben an die historische Plausibilität der Erzählungen über Jesus von Nazaret wie der Anteil des Wunderbaren darin.

(Zitat )„ Können Wunder geschehen? Wenn der Historiker seine Welt auf der Ansicht aufbaut, daß Wunder unmöglich sind, was fängt er dann mit Zeugen an, die Wunder als Tatsachen behaupten? Offenkundig gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er muss selbst noch einmal von vorne anfangen und seine Welt mit neuen Umrissen rekonstruieren oder er muss herausfinden, daß diese Zeugen entweder inkompetent oder unehrlich oder aber einer Selbsttäuschung erleben sind.“
(B. Lonergan, Method in Theology)

Der 2013 verstorbene Philosoph Kurt Hübner meint:

(Zitat) „Wer behauptet, die Wissenschaft habe die durchgängige und absolute Geltung von Naturgesetzen bewiesen, vertritt nicht die Wissenschaft, sondern eine dogmatische Metaphysik der Wissenschaft.“

Das war jedoch der Glaube des 19. Jahrhunderts und ist immer noch das Hauptargument gegen die Möglichkeit von Wundern.

Die zitierte Feststellung steht in Hübner Buch „Die Wahrheit des Mythos“. Es erschien 1985 und gilt in der Philosophie als epochemachend. Es zeigt, daß die mythische Weltanschauung eine Weise der Welterfahrung ist und ein Erklärungsmodell, das dem wissenschaftlichen Erklärungsmodell nicht unterlegen ist, auch nicht im Hinblick auf die Rationalität. Mythen sind eben nicht bloße Ausgeburten der Phantasie, wie man im 18. und 19. Jahrhundert glaubte. Selbst dem modernen Bewußtsein ist mythisches Erfahren nicht gänzlich fremd. Deshalb gibt es

(Zitat Hübner)„ keinen theoretisch zwingenden Grund, die mythischen Grundelemente des christlichen Glaubens abzulehnen, da Wissenschaft und Philosophie nur eine bestimmte, historisch vermittelte Wirklichkeitsdeutung darstellen, die nicht den Anspruch erheben kann, die einzig mögliche zu sein.“

Wer sich dieser Sicht der Dinge anschließt, kann in den philosophischen Voraussetzungen mit denen auch heute noch biblische Exegese betrieben wird, nur einen Anachronismus aus dem 18. und 19. Jahrhundert erkennen.

Marius Reise, „Kritische Geschichte der Jesusforschung“ (Stuttgarter Bibelstudien 235) S. 199ff.



Mittlerweile hat die Bibelwissenschaft aber – insbesondere international – den Anachronismus aus dem 18. und 19. Jahrhundert oft überwunden.

R. Riesner nennt in seinem Aufsatz Die Rückkehr der Augenzeugen neben dem bekannten Martin Hengel, zwei weitere wichtige Theologen in diesem Zusammenhang

Samuel Byrskog (Story as History - History as Story: The Gospel Tradition in the Context of Ancient Oral History, WUNT) und Richard Bauckham.

Bauckhams 2006 erschienene Opus Magnum “Jesus and the Eyewitnesses: The Gospels as Eyewitness Testimony” (William B Eerdmans Publishing) leitete für viele (auch gemäßigt kritische) Theologen einen Paradigmawechsel ein. Wiederum insbesondere international.

Von historisch-kritischen Traditionalisten (wie z.B. U. Schnelle in seiner NT Einleitung) wird das Buch leider weithin verbissen ignoriert. (Obwohl Schnelle andere Bücher von Baukham häufiger zitiert/nennt. 17x insgesamt in der 9. Aufl. Dass er ihn grundsätzlich als wissenschaftlichen Theologen ablehnt kann man also nicht behaupten).

Die konservative bis evangelikal/bibeltreue Jesus und NT-Forschung ist jedenfalls qualitativ und quantitativ ausgezeichnet aufgestellt.

Theologen wie z.B. Darrell L. Bock (Jesus according to Scripture), Craig S. Keener (The Historical Jesus of the Gospels), Robert L. Webb (Key Events in the Life of the Historical Jesus), Craig L. Blomberg (Jesus und die Evanglien) und A. D. Baum (Einleitung ins Neue Testament) um nur einige zu nennen, waren und sind sehr produktiv in den letzten Jahren.

International ist die Vorherrschaft der klassischen, historisch-kritischen Theologie (im Sinne von u.a. Bultmann/Troeltsch) schon lange gebrochen und das ist gut so!

Bevor dieses Posting jetzt aber alle Grenzen sprengt kommen wir zum:

Fazit



Die historischen Hinweise/Belege für Augenzeugen Jesu sind imposant und das auch auf einer rein historischen Ebene.
Und dabei waren die hier betrachteten Punkte nur knappe Zusammenfassungen und ein Ausschnitt einer viel größerer historischer Evidenz.

Stefan Gustavsson (S. 150) fasst seine 8 Punkte so zusammen (kursiv Schrift und Links ergänzt durch Xangor)

Gustavsson

1. Die Datierung der Evangelien als Quelle aus dem ersten Jahrhundert

2. Die Vorgeschichte mit einer ununterbrochenen Kontinuität bis zurück auf Jesus selbst. (vgl. A.D Baum , Der mündliche Faktor und seine Bedeutung für die synoptische Frage)

3. Der Inhalt der Evangelien als Augenzeugenberichte.

4. Die Augenzeugen als namentlich genannte und öffentlich bekannte Vertreter der Botschaft. ( vgl. Baukham, Jesus and the Eyewitnesses)

5. Der Kontext der Evangelien, das historische Judäa, Samaria und Galiläa in den 30er-Jahren.

6. Die Präzision der Evangelien im Bezug auf die zeitgenössische Namensgebung. (vgl. Bauckhaum, Jesus and the Eyewitnesses)

7. Die Verfasser der Evangelien, zum Beispiel Markus, der seine Informationen von Petrus erhalten hat.

8. Die Ehrlichkeit der Evangelien auch in Punkten, die peinlich oder schwer verständlich wirken.



Es gibt also jede Menge gute Gründe dem Neuen Testament allgemein und den Evangelien im Speziellen zu vertrauen.

Lukas und die anderen NT-Schreiber haben wirklich das sichere (historische) Fundament der Lehre für die Kirche und die Christen gelegt.

Die Ausgangs-These zu den Behauptungen historisch-kritischer Bibelforschung:



Wenn man als Ergebnis solcher Forschung zur Kenntnis nehmen muss, dass z. B. keiner der Evangelisten den historischen Jesus persönlich kennengelernt hat und keiner davon Zeuge der Auferstehung war, ebensowenig Paulus, dann ändert das etwas.


Hat sich als unbegründet erwiesen. Zur Kenntnis nehmen sollte man viel mehr, dass diese angeblichen historisch-kritischen Ergebnisse bloße Meinungen sind die insbesondere durch einen methodischen Atheismus zustande kamen.

Ändern sollte sich also in erster Linie die unkritische Übernahme von vermeintlichen Ergebnissen einer Theologie deren Fundament im Kern nicht-christlich ist.

Schon rein historisch gesehen besteht überhaupt kein Grund zu einer Hermeneutik der Verdachts die den Bibeltexten mit einem grundsätzlichen Skeptizismus begegnet.

Dabei haben NT-Autoren aber auch nicht verschwiegen, dass es ihnen nicht nur um Geschichte ging. Bei einer bloßen Kenntnis von (historischen) Fakten stehen zu bleiben wäre fatal.

Das Ziel des NT ist viel mehr durch diese (historischen) Messias-Fakten den Glauben an Jesus als Messias zu schaffen:

Johannes

John 20: 30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus nun vor seinen Jüngern, die in diesem Buch nicht geschrieben sind. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.



Die Kirchengeschichte zeigt bis in die Gegenwart hinein, dass dies in großem Ausmaß geschehen ist und noch geschieht.

Lob, Preis, Ehre und Dank sei dafür dem dreieinigen Gott!

sdg
Marc

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